Von Deutscher Küche kann man nicht reden, ohne des Kanzlers zu gedenken, dessen Leib und Seele auf mystische Art und Weise mit den Fleischtöpfen seiner Heimat verwachsen zu sein scheinen. Wie sinnvoll also, an der Deutschen liebsten Feuerstelle, der Autobahnraststädte, noch dazu im Niedersächsischen unsere kulinarische Deutschlandreise zu beginnen. Der Gastrotempel Hildesheimer Börde ist denn auch unser erstes Ziel ...

... bei norddeutschem Nieselregen erhellt eine fröhliche Lichterkette mein staugeplagtes Herz.
Wo soviel lichte Heiterkeit den Herbst erstrahlen und eine warme Geisteshaltung erahnen lässt, da bin ich gerne Gast.

Ein Licht im Herbst


Noch freut man sich
Voll heißester Erwartung setze ich mich vor meine Currywurstpommesrotweiß, verteile mit aller gebotenen Sorgfalt die gute Vierländer Salatmayonnaise neben den Pommes und beiße sanft in das erste fettgebackene Erdapfelstächen, dieser Allegorie deutschgewordener Internationalität.

Nun ... die Allegorie scheint das letzte mal eine Friteuse gesehen zu haben als der Kanzler noch mit Hillu im neuen VW-Käfer von hier in die Toskana aufgebrochen ist. Ich bekomme eine ranzige Ahnung, was ihn damals zu den Piepmatzfressern getrieben hat.
Die Fritten sind kalt und ungesalzen, die Oberfläche von lederiger Konsistens, das Innere halbgar krümelig bis klumpig. Wo der Gaumen sich aufbäumt, muss halt die mechanische Probe erfolgen. Es folgt der Bruchtest: An dieser Stelle sei erwähnt, dass man knusprige Pommes aufbrechen kann, in unserem Fall aber ... na ja, Sie ahnen es wohl schon.
Wenden wir uns erfreulichen Dingen zu: Es geht um die Wurst. Die zergeht in der Tat auf der Zunge, weil man sie Lutschen kann. Also ehrlich, die hat wirklich null Biss, selbst die Pelle flutscht weg, bevor mein Kauorgan sie packen kann. Unglaublich, ich hab’ die Fresse voll Fleischmatschschleim, der zu sabberigen Proteinphotonen zerfällt, noch bevor ich einmal zugebissen habe.

Doch freut man sich nicht lang


Wir sind sprachlos
Erfreulich dagegen ist die gute Vierländer Salatmayonnaise aus dem Plastikpack. Die schmeckt richtig frisch, etwas klebrig vielleicht aber immerhin.
Bleibt mir noch, auf die dezente Kunst am Bau hinzuweisen, die den Weg zum Klo makiert - da hat wohl der Tankwart mit selbstgelötetem dekoriert. Und da muss ich jetzt auch hin.

Die Wertung: Oh Kanzler hilf - nur eines von sechs möglichen Schweinen!