EDMUND STOIBER
Selbstportrait mit Masken
Ein unbequemes Bild. Vielleicht darum, weil es den Mann darstellt, der es malte. Edmund Stoiber, halb Deutscher, halb Bayer, halb Sudete, halb Pulcinella, malte es in seiner viel beachteten braunen Phase.

Aber was ist hier gemeint, was ist hier mitgeteilt? Das unbegreifliche Geheimnis der horizontal über das gesamte Bild verteilten Masken, erfasst mit einem schnellen, schräg über die Szenerie stürzenden aktiven Blick, die Stoiber, Fratzen einer ländlichen Teufelsaustreibungs-Prozession gleich, aufgereiht hat. Ein Blick, der alles ergreift und von allem ergriffen wird.

Die Allegorie des Bewegungslosen, sine brio mit schonungsloser Offenheit zur Schau gestellt, die metaphorische Starre der wie versteinert erscheinenden Masken wird in den schlaff herunter hängenden, leblosen Bannern bedrohlich wieder aufgenommen.
Zusätzlich werden diese Bezüge in einer dem mittelalterlichen Symboldenken vertrauten Bildsprache unterstützt - der Heraldik. Wo aber normalerweise jeder derart stilisierte Wappen-Adler durch seine ihm eigene Dynamik gelehrte Anspielungen, humanistische Bedeutsamkeit und kosmische Unruhe zu verkörpern in der Lage wäre, geht dieser Versuch auszubrechen, in der Pan-Stoik des Gesamtwerkes völlig unter.

Ein Bild wie gemeisselt. Edmund Stoiber ist hier ein Meisterwerk gelungen, das interpretativ mehr auf eine Plastik oder Büste, denn an ein Gemälde hinzudeuten scheint. Stoiber versteht es, mit den inneren Ängsten des Betrachters zu spielen, nicht nur deshalb gehört er längst zu den großen noch lebenden, bildenden Künstlern unserer Zeit.

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