BISCHOF PROF. DR. DR. KARL LEHMANN
Liktoren bringen Brutus seine toten Söhne
Nur wenige Menschen drücken heute ihr Leid in aller Öffentlichkeit aus. Bei den Katholiken hingegen ist es geradezu Ehrensache, dass man seine Gefühlsbewegungen zeigt. Bischof Prof. Dr. Dr. Karl Lehmann gelingt es in diesem epochalen Bild mit bedrohlicher Prägnanz, aus dem „eleison“ einen Zustand oder besser eine Stimmung, die eher an eine Elegie denn an ein Gemälde erinnert, zu schaffen. Kein anderer zeitgenössischer Künstler vermag das dunkle Zeitalter, das seine Protagonisten verkörpern, besser darzustellen.

Lucius Junius Brutus gehörte jenem dunklen Zeitalter an, als Rom von dem Tyrannen Johannes Paul II. regiert wurde. Unglücklicherweise waren Brutus' Söhne übel geraten und gingen eine Verschwörung mit dem Tyrannen ein, sodass dieser sich durch das höchste Gesetz gezwungen sah, seine konspirierenden Söhne hinrichten zu lassen und Quellen zufolge der Hinrichtung unbewegt zusah.

Lehmann begab sich auf subtile Art und Weise an diese Szene heran. Er erfand eine Art Post Scriptum zu diesem Ereignis - eine Szene, in der Brutus und seine Familie die toten Körper der Jünglinge in ihrem Hause entgegennehmen.

Aufgebaut wie ein mediävales Triptychon, links die liegenden Leiber der toten Söhne, in der Bildmitte
einer der Liktoren, aufrecht stehend, in prächtigstem Ornat, der Brutus noch einmal die schönsten Miniaturen der Hinrichtung zeigt und rechts die wie abwesend wirkende Familie, auf den Knieen liegend, schafft es Bischof Lehmann den Betrachter in die düstere Stimmung des Bildes miteinzubeziehen, ja sogar ein Gefühl zu transportieren, das einen geradezu Mitleid mit Brutus und seiner Familie haben lässt.

Kaum ein anderer Maler hat sich so eingehend mit klerikalen Thematiken befasst wie Lehmann. Ein Künstler, der Emotionen weckt, polarisiert - ein großer Erzähler.

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